Pierce Brosnan

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Con Trai
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Pierce Brosnan

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The Last Rifleman (2023)
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Intim und persönlich ist der Film gehalten, ruhig in der Ausführung, in der Gestaltung, dem Thema ansprechend und entsprechend, "all for one and one for all, aye?", The Great Escaper der Alternativtitel und der Titel der kurz zuvor gestarteten Verfilmung mit Michael Caine, dort genauer, hier lose basierend, die Zeitung wird von einem Bewohner informiert, ein Subplot im Film, sonst an Brosnan dran, auch bei einer Hypoglykämie, die anderen denken, der Tod sitzt neben einem. Brosnan spielt das gut, in der Maskerade, den fast Hundertjährigen zeichnend, etwas erschreckend zuweilen, viel Glück wird ihm gewünscht von Weggefährten und Begleitern, die Mitmenschen meist freundlich gesonnen, das ist mal eine Abwechslung hier, eine freudige Erscheinung, eine emotionale Regung, besonders die Details machen den Film aus, nicht die gesamte Erscheinung. Kleinigkeiten machen die Produktion zu etwas Besonderem, nicht alles gelingt, manches ist abschweifend, manches erinnert zu sehr an andere Filme, die Prämisse ist nicht gerade eigen, die Sturheit kann auch abschreckend wirkend, die Torheit des Mannes, "back to reality", es wird sich auch um andere Sachen gekümmert, um die Helfer und die Helfershelfer, Die Drei Musketiere hier oft erwähnt, oft zitiert.

Zur Verzweiflung kann man andere mit seinem Verhalten treiben, in die Illegalität, die Kriminalität, Ordnungswidrigkeiten bis Verbrechen werden begangen, der Pass ist abgelaufen, die Vehikels werden getauscht, alles etwas verharmlost, zu guten Gewissen gemacht, der Geschichte zuliebe, der Tradition und der Nostalgie, der Erfüllung des möglicherweise letzten Wunsches. Die Produktion dabei auch durchaus größer gehalten, dem Anlass entsprechend, viel in Bewegung, viele Transportmittel, die Subplots abseits der Reise, die Geschichten der Zurückgebliebenen, das spezielle Ereignis.
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"I like most of what Steve McQueen has been doing and I think Eastwood has a chance.“
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Con Trai
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Re: Pierce Brosnan

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Four Letters of Love (2024)
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Die Freiheit wird dort (am Meer) gesucht, die Hoffnung, wenn auch nur für kurz, das Mädchen ist offensiver als der Junge, wesentlich extrovertierter, sie ist anders erzogen worden, sowohl räumlich als auch von der Art der Eltern, sie wagt und macht die Ausbrüche, von denen der Junge nur träumt. Schmerz wird hier oft mit vollen Händen verteilt, manchmal glaubt man an Gott, manchmal ist eher das Gegenteil der Fall, bei den ganzen Schicksalsschlägen, bei denen die Helligkeit aus dem Raume auch weicht, ein Trauerflor über der Optik gelegt wird, mancherlei seltsame Fragen gestellt werden und die Antworten nicht verstanden und entsprechend nicht akzeptiert. Man hätte sich vielleicht auf die Zeichnung der beiden erwachsenen Männer (Brosnan & Byrne) verlassen und es dabei belassen sollen, auf das Porträt der Umgebung, des Areals, des Terrains, der Schönheit und manchmal auch Unberührtheit der Natur, auf die zwischenartliche Improvisation, die Spontaneität, die hier so oft fehlt, selbst improvisiert Scheinendes wirkt wie einstudiert. Einzig die Ausflüge von Brosnan zum Malen in den Westen haben eine gewisse Sogwirkung, das Begleiten des Reisebusses, eine erste Kreuzung der verschiedenen Personen, für einen Augenblick ein gleicher Weg, ein gemeinsamer Kampf im Strudel des Meeres, in den rauschenden Wellen, eine versuchte Rettung, die komplett anders ausgeht als gedacht und geplant; das Leben halt, es funktioniert nicht so wie gedacht und ausgemacht.

Dialoge sind oft einsilbig, die Sorgen der Eltern, in Hauptsätzen, dabei geht es um Beziehungen, um Gottes Dinge, um persönliche Situationen, um Abhängigkeiten, um "melancholy vocalising", um Chöre, die eine Religiosität beschreiben und auch übertreiben, um Unwägbarkeiten, um Resultate des Verständnisses und Ergebnisse des Scheiterns. Brosnan unterspielt seine Rolle, Türen gehen auf, und Türen schließen sich, auch andere Darsteller können überzeugen, aber bei weitem nicht alle, und bei weitem nicht genauso wichtige Rollen und Figuren, "the whole story meant nothing."

Trübsal lieg hier in der Luft, Fatigue, allgemeines Erschöpfungssyndrom, der prüfende, aber nicht lauernde, eher ängstliche, sorgsame Blick, das stumme Seufzen, ein stilles und ein oft vokalisierendes Klagelied, ein paar weise und ein paar unnötige Worte, ein paar gute darstellerische Leistungen, ein paar mäßige, ein paar Übertreibungen der Seele, ein paar Verzweiflungen der Regie, ein paar Veränderungen im Umgang miteinander, ein Loslösen und ein Loslassen, später scheint man gewisser auch bei manchen Szenen, vertrauter in der Art der Erzählführung, bei einem nächtlichen Spaziergang im Schnee bspw. zu sein, "the longer you look, the more you see.".

Kurzfassung: Ziemlicher Shite eigentlich.
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Re: Pierce Brosnan

Post by Con Trai »

Gesetze der Anziehung - Laws of Attraction (2004)
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Brosnan wirkt präsenter in seiner Rolle, Moore muss einiges an Albernheiten präsentieren, muss mal lauter werden und so agieren, aus der Rolle schlüpfen bzw. in ihre Rolle schlüpfen, der erste Kuss im strömenden Regen, nach einer Menge Alkohol, natürlich. Der Akt der Liebe wird ausgespart, nur angedeutet, es wird sich bald geduzt, es wird um mehrere Millionen, fast dreistellig gestritten, erst hat man das Bett geteilt, dann wird wieder die Anwaltsbank behelligt, eine Prozedur der Vermeidung, eine moralfreie Zone hergestellt; das Wort "poppen" wird hier benutzt, im Deutschen zumindest, im Englischen "bagged", im 21. Jahrhundert, auf den Stufen des Gerichts. Was der Film sich nicht oder weniger traut, ist, Frau Moore eine eigene Persona zu geben, sie wird meist mit ihrer Mutter in Augenschein genommen und von dort erklärt, während Brosnan alleine oder eben mit der Moore agiert; seine Gedanken und Gefühle wird direkt ausgesprochen, bei ihr ist es umgekehrt, sie wird geschwächt durch die leicht übertrieben bis überzogen geschriebene und entsprechend so dargestellte Mutter, welche als Sprachohr und Ohrmuschel zugleich taugen sollte, dies aber nicht tut, da zu abstrakt gehalten und mit zu viel Übermut. Manchmal nähert man sich im Stillen, aber selten, manchmal über die dritte Person oder das Medium, als "Scheidungs-Pitbull" wird man im Fernsehen bezeichnet, man hält viele Pressekonferenzen und Talkshows, es gibt die Gesetze der Anziehung, fürs Protokoll.

Als Film ist das zuweilen aufdringlich und manchmal mit weniger Feingefühl gehalten, würdelos fast, es kommt zum zweiten Drittel ein Subplot eingeführt, es werden Witze über "Ziegenhoden" gemacht, verbal und visuell, dann wieder Blickkontakt aufgenommen, auf der Restauranttoilette, vielleicht nicht wirklich der richtige Augenblick; dafür wird die Geschichte erweitert, mit ein wenig Aufdringlichkeit natürlich, der gesamte Film ist so gehalten, trotz durchweg edler Kamera von Adrian Biddle, er kann nichts für die Inszenierung, er versucht sie festzuhalten, es geht nach Irland mittig, viel Zeit zum Präsentieren und Gestalten. Ein Wettkampf wird vertragt bzw. örtlich verändert, es geht aus New York raus – von dem man außer Chinatown nicht wirklich viel gesehen hat – nach Europa gegangen, und sich dort amüsiert, es wird ein bisschen der Landschaft geschmeichelt, im Grünen geschwelgt, James Joyce nachgeahmt, etwas Screwball vor kleinem Ort und mehr Intimität als vorher ausprobiert. "Ich kam allein immer gut zurecht.", das wird geändert, auf die Unsicherheit angespielt, es wird etwas tiefgründiger und näher gegangen, Brosnan ist vor Ort jetzt, in seiner Heimat, ein Luftschloss gemalt, es wird etwas heimatliches Gefühl injiziert, "Es ist eine Liebesgeschichte.", es werden einander Komplimente gemacht oder doch nur einseitig, wir sind immer noch bei 'Was sich liebt, das neckt sich.', bei 'Gegensätze ziehen sich an', als Komödie krawallig, für die hintersten Plätze im Auditorium, und als "Moralhaubitze" – wenn nicht gänzlich unsympathisch – auch noch gehalten.
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Julio Sacchi
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Re: Pierce Brosnan

Post by Julio Sacchi »

Hab ich im Kino gesehen. Fand den glaub ich so halbwegs ok, aber nicht so richtig gut.
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Nahaufnahme
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The Thursday Murder Club

Post by Nahaufnahme »

The Thursday Murder Club (2025)

Kuschelige englische Landatmosphäre, wie wir es aus unzähligen britischen Krimiserien kennen: das ist ein Problem für einen Krimi, der wie ein Agatha-Christie-Film der 70er Jahre besetzt, aber wie Midsomer Murders gefilmt ist. Statt Barnaby ist hier der Thursday Murder Club in einer Seniorenresidenz am ermitteln. Vorneweg schnüffelt Helen Mirren als ehemalige Spionin, mit Unterstützung von Pierce Brosnan, Ben Kingsley und Celia Imrie - früher Gewerkschaftler, Psychiater und Krankenschwester. Eine überqualifizierte Truppe, neben der ein Polizist wie Donald Mays nur wie Miss Marples Inspector Craddock verblassen kann. Kaum eskaliert ein Streit, wonach die Residenz der Alten durch Luxusappartments ersetzt werden soll, stirbt der verantwortliche Alptraum aller Immobilienhaigeschädigten (David Tennant). Ein weiterer Mord liegt länger zurück und im Altenheim vergisst Mirrens Partner (Jonathan Pryce) das Geständnis eines Mörders.



Die Charaktere werden zügig eingeführt, die Nebenfiguren (Tom Ellis, Naomi Ackie, Henry-Lloyd Hughes und Paul Freeman) sind interessant genug und man kann es gut durchschauen. Mirren trägt es wunderbar, Brosnan ist so agil wie immer, man kann sich aber auch wundern: Warum hat das Chris Columbus gedreht und kein Newcomer mit schräger Grandezza, ohne die einschläfernde Musik Thomas Newmans (es ist wirklich überfällig, die alten Filmkomponisten, deren beste Zeit spätestens in den 90er Jahren endete, in die Rente zu schicken) und den Bildern des Routiniers Don Burgess (Totalabsturz: Here), besonders bei Richard E. Grants Auftritt werden die Möglichkeiten unterboten. So ist es leider bloß wieder typisch Netflix, wo die Gewürze zum echtem Original fehlen. Trotzdem 5/10, da ich mir eine weitere Runde mit der Besetzung anschauen würde.

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Überqualifiziert: Celia Imrie (zweite von links in Death on the Nile, 1978)
und Pierce Brosnan (neben Elizabeth Taylor in The Mirror Crack'd, 1980)
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Julio Sacchi
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Re: Pierce Brosnan

Post by Julio Sacchi »

Schade
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Sylvio Constabel
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Re: Pierce Brosnan

Post by Sylvio Constabel »

Ich glaube, der Film ist besser. Naturaufnahme ist nur griesgrämig, weil die junge Schauspielgarde nicht so spielt, wie er und deren Eltern es mal gelernt haben. Wir werden sehen.
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Nahaufnahme
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Re: Pierce Brosnan

Post by Nahaufnahme »

@Julio: Ja, ist es und wieder Amblin, wo ich an Young Sherlock Holmes denken musste - Drehbuch von Chris Columbus - wo auch etwas aus dem ur-typisch britischem Umfeld amerikastriert wurde, trotz der komplett britischen Besetzung.

@Sylvio: es heißt "dessen", ich bin noch immer singulär! 8-)
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Sylvio Constabel
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Re: Pierce Brosnan

Post by Sylvio Constabel »

Nee, nee, die Eltern der jungen Schauspielgarde.
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Nahaufnahme
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Re: Pierce Brosnan

Post by Nahaufnahme »

Ok, also nicht meine Eltern, die mir vor über 100 Jahren am Theater die Leidenschaft für die darstellende Kunst ins Blut fließen ließen. Ich habe auch beim Film dem Nachwuchs immer eine Chance gegeben, egal, wer kam, Valentino, Garbo, Lassie oder Zendaya - ich kenne keinen Neid, Bro! :twisted:
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Con Trai
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Re: Pierce Brosnan

Post by Con Trai »

Professor Love - Some Kind of Beautiful (2014)
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Manchmal ist das fast wie Woody Allen in seinem Spätwerk aufgezogen, viele Dialoge, viele Lebensweisheiten, viel Interaktion, viele Ermöglichungen für verkommenes Verhalten, viele Zwiegespräche, die unchronologische Struktur, die viele Personenkonstellation, die Koordination zwischen Briten und Amerikaner, die schnelle Schnitte, die ruhige Kamera, eine ruhige Dringlichkeit, die vielen Wahrnehmungen und Beobachtungen, die Abhandlungen, die Koordinierungen. Es ist nicht Allen, es ist Irritationen als echtes Gefühl, es wird viel irritiert, es wird verbal um sich geschlagen, auf Tempo gegangen, puritanischer Masochismus gezeigt, es wird Romantik am College gelernt, es ist weder der Professor noch sind die Schüler an irgendeiner Form der Romantik interessiert.

Alba verschwindet mittig etwas aus dem Film, Hayek kommt wieder hinein, Brosnan bleibt (auch als Executive Producer) immer am Ball, er gibt den Film seinen Titel, er gibt den Film auch etwas Würde, die man ab und zu verliert, dafür wird sich um den Sohn gekümmert, das Ergebnis einer gerüttelten, einer gescheiterten Beziehung, die hervorgehobene Funktion als Vater, ansonsten das Leben in Trümmern, man wird leiser mittendrin, etwas Sinnhaftigkeit initiiert, nicht alle Gedanken ausgesprochen, sich auf die Bilder verlassen, auf eine Montage, auf eine Flasche Wein, die man gut vertragen könnte, es wird etwas philosophiert, oder eher sinniert, es geht wieder in die Zweisamkeit, es werden Ratschläge verteilt, Komplimente auch, wieder geflirtet, ein Ausweg nur, des Drehbuchs und der Figur.

Interessant nur wegen der Dreier-Konstellation, wegen der Offenheit und dem Schweigen, schick bebildert, der Sonne gehuldigt und dem besseren Lebensstil, zwischendurch kommt McDowell zum Zuge, der immer dann auftaucht, wenn es am ungünstigsten ist, es wird einmal an den Strand gegangen und dort Schabernack getrieben, (Benjamin) McKenzie kommt etwas zu kurz bzw. wird nicht richtig in Erscheinung gesetzt, es fallen derbere Worte, es werden Relevanten abgesteckt und Romanzen als leere Hülsen entdeckt, es werden Inspirationen befürwortet und den Unterschied zwischen "volles Vertrauen" und "keine Geheimnisse" herausgefunden, es droht die Abschiebung, die Fallhöhe ist hoch, es wird noch einmal in die Vollen gegangen, ein Märchen gestaltet.
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Re: Pierce Brosnan

Post by Con Trai »

The Misfits - Die Meisterdiebe (2021)
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Ein Einbruch und ein Diebstahl wird hier gezeigt, schon vor dem eigentlichen Heist, eine Autohatz installiert, ein flinkes Geschehen, auf Schnelligkeit und Leichtigkeit prononciert, die Verfolgungsjagd sieht erstmal ganz gut aus, aber hat keine Kollisionen und überhaupt keinen Druck, es wird sorgsam darauf geachtet, dass nichts zu Schaden kommt, niemand die Limousinen zerkratzt oder gar ein Reifen platzt; es wird auch nicht über die Protagonisten, sondern dem Antagonisten herangegangen, das Einzige, was die Truppe verbindet, es wird etwas Wortwitz eingeplant und versucht, eine müde Nummer, auch mäßig bei Brosnan selber (trotz Stammstimme Frank Glaubrecht) synchronisiert, trotz "Gold von mehreren Millionen", aufgezogen wie ein Pilotfilm, mit Geld gewinkt, mit Fantasiestaaten in Nahen Osten lokalisiert.

Dubai als Zwischenschauplatz wird entsprechend (der Produzenten) als Ziel der Träume eingesetzt, mit Postkartenaufnahmen für das Tourismusbüro, für die Geldgeber dahinter platziert, ein Luxusstaat mit allen Annehmlichkeiten, ein Akt der Promotion für die Reisebüros; in den Bildern wird man eingeraubt und ausgeraubt, Diebe und Halsabschneider in den Zwischensequenzen. Brosnan muss in der Räuberpistole erst erobert werden, in mehrfacher Hinsicht, es wird kurz familiär, auf Zufälligkeit gespielt, auf Improvisation, auf gutaussehende Sterilität und etwas Naivität, immerhin wird er konkret eingesetzt, als Hauptrolle fokussiert. Die konkrete Handschrift eines (ehemaligen) Meisters des Filmemachens, des Krawallkinos zumindest erkennt man dabei null und nicht, eine reine Auftragsarbeit, bloßes Handwerk ohne eigenes Interesse, welches einmal in dem Finnen glühte und blühte, was ihn und sein Werk mal in die Aufmerksamkeit der Zuschauer und der Produzenten braucht, vielleicht nach mehreren teuren Flops und privaten wie beruflichen Niederlagen zum Erlöschen und ihn aus der A-Liga hinaus in die der B-Kategorie brachte, ein leider einseitiges Geschäft, es geht nicht zweimal hinauf, es geht immer mehr ab.

Erweckt wird hier bedauerlicherweise auch kein Eigeninteresse des Zuschauers für das (filmische) Projekt, es sieht ganz glänzend aus, etwas auf Sterilität, mit größeren Räumen, die man vor Ort umsonst hat und der "Weltgewandten Eleganz"; ein hoffentlich schöner Urlaub für das Drehteam vor und dahinter, ansonsten Scharlatanerie mit einem Hauptdarsteller, der Besseres zu tun hat und hier eher verwirrt durch seine Anwesenheit, das Jobangebot wahrscheinlich gut, die Millionen für die Ausgabe sicherlich und hoffentlich geschickt angelegt; "Die Technik ist auf dem neuesten Stand.", die Gaunerkomödie, à la Ali Baba und die 40 Räuber aufgezogen, Vater – Tochter – Gespräche inklusive, inklusive Flirtversuche, inklusive Kamelritte durch die Wüste, inklusive Beschwörungen und Handküsse. "Bei meiner Arbeit ist Humor nicht angesagt.", heißt es mittig hier, es wird in die Trockenübung gegangen, es wird ein bisschen vom Alkohol gekostet, das lockert und hebt die Stimmung, nach einer Halbzeit wird erst in die Initiative gegangen, in den Coup hinein, dramaturgisch lose, einzig Brosnan im Duell mit Roth bringt etwas Existenz in das Geschehen, das sonst nur von vergleichsweise ungefilmten Locations lebt und seiner Kürze, diesmal ohne Würze, trotz mehrerlei (halbherzigen) Versuchen in die Richtung. Was Harlin hier genau versucht, weiß man nicht so richtig, es ist eher ein Guy Ritchie für Arme, gerade auch bei den Nebenfiguren ist man eher schlecht als recht, manche gehen grundlos unter, wie der Chinese zum Beispiel, dafür aber Magen-/Darmerkrankung im Übermaß, auch sehr witzig; eine Autobombe und eine vier- und zweirädrige Wüstenhatz sowie eine Kampfsporteinlage im Hotelzimmer als Endeffekt.
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Con Trai
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Re: Pierce Brosnan

Post by Con Trai »

Nahaufnahme wrote: Fri Aug 29, 2025 6:23 am The Thursday Murder Club (2025)
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Der Film eher etwas für die Gereiften unter den Zuschauern, es werden Fragen gestellt, Antworten eingeholt, die häusliche Sicherheit beiseite geschoben, es gibt ein Parkflächenkomitee auch bereitgehalten, die schrullige Nummer, keine schrille Nummer hier. "Gute Polizeiarbeit" wird hier geboten, nach und nach, nicht gleich auf Dringlichkeit gehalten, kein Inspector Barnaby, wo man mit einem aktuellen Opener meist beginnt und am Fall dranbleibt, es wird hier auch anderweitig kommuniziert, interagiert, interaktiv agiert, vom Zuschauer mitgeraten, das Puzzlestück mit sortiert, es werden die Neuzugänge sortiert, mit leichtem und seichtem Humor aktiviert. Auf Nebenschauplätze wird auch etwas geschaut, auf zufällige Beobachtungen gesetzt, Versammlungen einberufen, Wahrnehmungen kundgetan, Anhörungen mit Überfällen verglichen, Nutzung auf Lebenszeit gilt hier, es wird sich etwas echauffiert. Geweihte Gräber sollen hier gestört werden, der Film macht etwas Umwege, um zum eigentlichen Punkt zu kommen, Umwege und Abkürzungen, dann ein zeitgenössischer Fall, das Opfer erschlagen, vorher noch lebend und Versprechungen gemacht, der Neuzugang beruft eine Notfallversammlung ein, außerplanmäßige Treffen, ein "echter Fall" zu lösen, Verdächtige in Augenschein genommen, mit einem Insider bei den Gesetzeshütern, R.E.D. (plus Fortsetzung, 2010/13) nicht als Actionthriller, sondern als Cozy Crime und dies mit altmodischem Witz präsentiert, mehr oder minder gelungen, ein Genre bedient, eine Zutat geschaffen, ein Verhörraum mit Aufzeichnung zum Begehen, eine Abwechslung zum sonstigen Geschehen.

Netflix hat Ähnliches schon für jüngere Generationen mit Enola Holmes (2020/22) und Murder Mystery (2019/23) und Co. geschaffen, hier steht die Fortsetzung noch aus, man muss die Abrufzahlen in der ersten Woche und die auf lange Dauer abwarten, als Kommerz natürlich gehalten, "alles startbereit" für weitere Abenteuer, es wird in die Initiative gegangen, eine Rekrutierung geschaffen, alle Fäden gezogen, die Menschen manipuliert, es wird geschauspielert überdeutlich, eine Beförderung und eine Versetzung, eine Familienproduktion, die Anspannung weggelassen, Spannung schaffen mit anderen Mitteln, mit Aktenforschung und externer Hilfe, manchmal wird man auch lauter im Ton und offensiver im Verhalten, das ist geschauspielert nur, für die Momentaufnahme, zum Überzeugen der anderen Personen, ein Bonus für den Club und sein Publikum. Etwas Ecken und Kanten und ein "echtes Druckmittel" täte dem Film zuweilen ganz gut, es ist ein bisschen wie ein ausgedehnter Pilotfilm gehalten, zwei längere Episoden zum Preis für einen, erst wird die Motivation gesucht, Geld natürlich, wie auch oft sonst. Informationen werden ausgetauscht, geteilt, eingeholt, gefeilscht, im Teamwork, im Gesamtprozedere, eine Kaffee-Wallnuss-Torte als filmisches Konstrukt, etwas mächtig im Geschmack, recht kalorienhaltig und auch mit etwas Alkohol gehalten, zum Runterspülen und zum Benebeln, es ist sowieso beschauliches Samstagnachmittagsprogramm, das Wetter draußen am besten grau und feucht und neblig.

Die Befragungen und die Verdächtigungen beunruhigen einige Personen, der Zuschauer schaut das eher nebenbei, jetzt, wo der aktuelle Fall den alten vorherigen verdrängt, manchmal wird der auch der berüchtigte Algorithmus erwähnt, der Algorithmus des Streamingdienstes, der den davon 'Abhängigen' genau das zeigt und liefert, was er sehen mag und sehen will; genauso wird hier vorgegangen, mittig etwas auf FSK 12 Grusel gegangen, auf dem alten Friedhof abgehangen. Solidarität mit den Leuten aus dem dritten Frühling ist angesagt, ein Protest veranschlagt, ein erster Spatenstich von Rechts wegen, der Subplot, der sich nebenfüllend durch den Film (und den 480 Seiten Schmöker) trägt und auch etwas Muskelkraft und altmodische, mütterliche Verführungskunst (plus einen zweiten Mord) an den Tage des Rätselkrimis legt. Von den Darstellern wird zwischenzeitlich Frau Mirren (nicht nur aufgrund ihres Ehegatten, des Vorlebens und der Polizeikontakte) eindeutig in den Mittelpunkt gerückt, als ehemalige MI6 Spionin einzige Professionelle im Team auch, die Männer links und rechts an ihrer Seite, viel auf Alleingängen, manchmal mit Herzklopfen, bei mitternächtlichen Spaziergängen, Macht der Gewohnheit, "Noch ein Tropfen?"

Kurzfassung: Siehe Nahaufnahme, ich tät vielleicht 1 Punkt mehr zücken.
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Re: Pierce Brosnan

Post by Nahaufnahme »

Con Trai wrote: Sat Aug 30, 2025 9:26 am und auch etwas Muskelkraft
Erwähnenswert: Henry-Lloyd Hughes - der heißeste Friedhofsgrabschänder aller Zeiten, da wäre ich gerne das Skelett gewesen. Da ich den Film im Original ohne Untertitel gesehen habe, bekam ich allerdings die Dialoge zwischen ihm und Mirren auf Polnisch nicht mit.
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Julio Sacchi
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Re: Pierce Brosnan

Post by Julio Sacchi »

Texte mittlerweile länger als die Filme :shock:
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